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Sommerurlaub im Spreewald, da gibt es viel Wasser, klingt verlockend. Niemand hatte uns gesagt, dass es sich dabei nicht nur um Kanäle und Seen handelte, sondern dass alle Gewässer bei 12 Grad fleißig von oben aufgefüllt wurden. Es war August, mein Freund und ich hatten ein nettes Hotelzimmer, schön schattig im Grünen, so richtig etwas für heiße Sommertage.

Zum Glück gab es auch eine Heizung.

Bereits nach dem ersten kurzen Morgenlauf trockneten dort alle unsere Sachen. Frierend aßen wir die sauren Gurken von der uns jeder erzählt hatte, betrachteten die Kähne, die unter Regenhauben dahin dümpelten und wärmten uns bei Kaffee und köstlicher Quarkplinse wieder auf.

Am zweiten Tag beschlossen wir, dass dieses Wetter vielleicht nicht perfekt für entspannte Radtouren war, aber ideal für einen Wettkampf. Da wird der oder die Aktive bekanntlich sowieso nass. GurkenseeMein Liebster hatte schnell einen See ausfindig gemacht und eine passende Rad- und Laufstrecke am Bildschirm ausgemessen.

300 Meter schwimmen, 20 km radeln und 5 km laufen.

Wir zwei waren die einzigen Teilnehmer dieses weltersten Gurken-Triathlons. Damit es sich alles etwas ernster anfühlte, hatten wir auch eine Startnummer. Gurken-Ralle und Gurken-Uschi waren bereit. GurkenrallestartAllerdings mussten wir uns zunächst Fahrräder organisieren.

Sonnengelbe City-Räder gab es im Verleih, das hatten wir schon tags zuvor erkundet. Ich erwartete, dass uns der Fahrrad-Verleiher begeistert empfangen würde, weil er nun auch bei diesem Wetter Kunden hatte.

Stattdessen fauchte er mich als erstes an: „Fahrräder wollen sie bei dem Wetter leihen? Wissen sie wie die hinterher aussehen? Und ich muss die putzen.“

„Heute Nachmittag soll ja die Sonne kommen“, versuchte ich charmant zu verhandeln.

Nein, wurde ich belehrt, es soll nur aufhören zu regnen.

Während er so vor sich hin schimpfte, hatte er dann aber doch zwei Dreigang-Räder hervor geholt und mit Körbchen versehen.

gurkenradAuf die Frage, ob es auch sportlichere Modelle gäbe, meinte er bloß, was wir uns eigentlich vorstellen würden, hier wäre doch alles flach und ohne Wind. Na gut. So strampelten wir zwei alias Ralle und Uschi also zum Hotel zurück und machten uns bereit für den Start.

Zunächst waren 6 km Anfahrt mit dem Rad zu bewältigen. Dann standen wir am wunderschönen Williscza See, eine Natur-Badestelle. Das heißt, es war viel Natur und baden nicht verboten. In grauer Vorzeit gab es dort auch einmal ein Restaurant und ein paar Umkleiden, deren Mauerwerk nun dort wie Grabsteine an längst vergangene Zeiten erinnerten. Gurkenrad2

Der Veranstalter alias Ralle überlegte angesichts der Temperaturen, ob vielleicht ein Duathlon angemessener wäre, aber Gurken-Uschi ließ nicht mit sich verhandeln und ab ging es einmal quer über den kleinen See. Ein paar Enten waren die einzigen weiteren Teilnehmer.

Den Fluten entronnen, hieß es, nicht nur ein paar trockene Sachen überzustülpen, sondern auch das Navigationsgerät zu starten. Denn wir konnten nicht mit Streckenposten rechnen und waren noch nicht ortskundig. Ralle raste schon los und mir schoss durch den Kopf, dass es bestimmt von Vorteil wäre, so lange als möglich Sichtkontakt zu halten, denn wer weiß, ob das mit der Navigation so klappte. Also trat ich klappernd und energisch in die Pedale, sauste an ein paar erschrockenen Touristen vorbei und prompt am zweiten Abzweig bereits vorbei. „Bitte wenden“, meldete die Navigationsstimme und ich tat wie mir geheißen, war bald wieder auf dem Track.

Aber was war das, da stand Organisator Ralle und wartete auf mich! Tatsächlich war nämlich der geplante Weg gesperrt und wir versuchten uns nun gemeinsam durchzuschlagen, während die Navi-Stimme verzweifelt penetrant „Bitte wenden, Bitte wenden“ rief.

Wir holperten nun durch Kies-, Wald- und Wiesenwege, sehr romantisch, ein Bussard hier, ein Reh dort, durch viele Pfützen, die uns mit braunen Punkten verzierten. Endlich hatten wir wieder eine Straße erreicht, Ralle raste davon und ich versuchte mich an seine Fersen zu heften. Dabei wurde es immer schwieriger auf dem Rad eine angemessene Sitzposition zu finden, mit seinem breiten Sattel und dem Gesundheitslenker. Zudem kam Gegenwind auf, es regnete wieder, aber ich schwitzte.

Nach 22 km statt der geplanten 20 war das Hotel erreicht, die zweite Wechselzone. Fahrrad parken und abschließen, Navigation stoppen und den Track für die Laufstrecke öffnen. Mit wackeligen Beinen verließ ich das zitronengelbe City bike, musste eine Straße überqueren (natürlich kam gerade ein Auto nach dem anderen) und bog dann in den nächsten Feldweg ein in Vorfreude auf diese idyllische Etappe. GurkenUrkundeAllerdings erwartete mich statt Ruhe dort ein Trekker, der genau in meinem Tempo über den Feldweg donnerte und die frische Spreeluft mit Diesel bereicherte.

Das war nun die ideale Motivation, um die Geschwindigkeit anzuziehen, tatsächlich gelang mir ein Überholmanöver und an der nächsten Ecke war ich dann allein mit Feld, Wald und Wiese.

Immerhin war Ralle, die Obergurke bald wieder in Sichtweite, so dass ich nicht nur die Stimme des Smartphones sondern auch eine optische Orientierung hatte. Nach insgesamt einer Stunde 38 Minuten und 32 Sekunden flog ich dann über die imaginäre Ziellinie am Hotel und wurde nicht nur von Gurken-Ralle, sondern auch von weiterem Publikum begrüßt.Gurkenralleziel

Eine Radgruppe wollte sich nämlich just vom Hotel aus auf den Weg machen und als Ralle die Kamera schwenkte und ich mit rotem Kopf angesaust kam, wollten sie doch wissen, was da gerade passierte.

So kamen wir auch noch zu einem schönen Gurken-Zielfoto.

Fazit: Sport im Spreewald hat viele Möglichkeiten und auch mit Gurkenrädern macht ein Wettkampf richtig Spaß

31August 2021, VIGLi

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