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Möglicherweise hat es sich ja schon herum gesprochen: Ich kann auch laufen. Das war vielleicht vorher nicht so klar, obwohl ich meine zwei Beine doch täglich irgendwohin bemühe, in ein Museum oder an den Strand odersoweiter. Aber als ich am EWE-Nordseelauf teilnahm, Etappe Otterndorf, da gab es nahe der Elbterrassen folgende Szene: Erst stand Herr Feldmann auf dem Balkonplatz und rief „Verena vor“, dann sagte ein Betreuer, ein paar Meter weiter: „Ach, das ist die Stadtschreiberin.“ Daraufhin Betreuer 2: „Macht doch nix!“

Sozusagen amtlich
D
as fand ich total nett gesagt und weil ich nun schon mal da vorbei kam, ergänzte ich noch: „Ich kann nicht bloß schreiben sondern auch laufen.“ Jetzt ist es sozusagen amtlich, mit Zeugen. Ich bin aber ehrlich gesagt noch nie eine 10km-Strecke auf Zeit gelaufen. Das liegt wohl daran, dass ich solche Freunde habe wie den Steppenhahn (siehe www.steppenhahn.de) und der sagt, für so kurze Distanzen wie 10km zieht er sich gar nicht erst um. So ein Snob. Aber weil der Steppenhahn in Wirklichkeit ein sehr lieber Mensch ist und wir zusammen meistens viel Spaß haben, deswegen hechele ich immer wieder über irgendwelche Endlosparcours mit ihm. Ich weiß dann am Schluss nie welche Zeit und wie viele Kilometer ich genau gelaufen bin, aber dass ich viel gelacht habe, da bin ich sicher. Das war jetzt anders bei der Otterndorf-Etappe vom Nordseelauf. Steppenhahn gab mir zwar noch mit auf den Weg ich solle das in Badelatschen laufen, aber dann tauschte ich seine Späße auch schon gegen die Stimmung vor Ort. Am großen Specken wurde man vom Bürgermeister und etwas Gymnastik aufgewärmt, dann ging es auch schon auf die Strecke. Das war dann nicht mehr so lustig wie das Mittwochs-Training mit den Otterndorfern. Alle waren ganz ernst, weit vorne verschwunden oder beides. Jedenfalls hat sich keiner mehr mit mir unterhalten. So kam es, dass ich die (für mich) astronomisch schnelle Zeit von ungefähr 51 Minuten gelaufen bin. Dann gab es im Ziel noch Tanzmusik, das fand ich prima. Das einzige was mich etwas gedrückt hat, war der Fisch. Ein Matjes zu werden, wäre das Beste, was einem Hering passieren kann, habe ich neulich auf der Speisekarte vom Haduloha (Otterndorf, Marktstraße) gelesen. Und weil der Matjes so viel Omega3 Fettsäure und andere gesunde Dinge enthält fand ich, es wäre vielleicht das allerbeste für den Matjes, wenn er das Mittagessen vor dem Lauf für die Stadtschreiberin wird. Diese Ansicht hat mir der kleine Kerl jedoch wieder abgewöhnt und mir noch lange das Gefühl gegeben, er wäre noch überhaupt nicht verdaut. 
Aber den Appetit auf weiteres Laufen hat er mir nicht verdorben. So startete ich am nächsten Tag gleich wieder beim Lauf durchs Watt (Neuwerk-Cuxhaven, Etappe 8 des EWE-Nordseelaufs). Mental war ich schon gut vorbereitet. Dabei hatten mich die Otterndorfer Läufer unterstützt. Sie hatten mir in allen Einzelheiten erklärt, dass mich die Flut holt, wenn ich mich nicht genug anstrenge. Ansonsten kann man auch sechs bis zwölf Stunden auf diesen Flutkäfigen überdauern, die im Watt an der Strecke stehen. Wenn man von dort eine Leuchtrakete abschießt wird man von einem Boot abgeholt. Vielleicht. Außerdem versinkt man in den Prielen bis zum Bauch und kann sich an den Muschelbänken die Füße zerschneiden. Das waren also die Aussichten. 

"Schreib doch ein Gedicht"
Und damit genug Zeit war, sich das in allen Farben auszumalen, wurde man bereits morgens um neun mit dem Schiff nach Hamburg, Außenstation Neuwerk, geschaukelt und durfte erst nachmittags um vier zurück laufen. Da wurde ich dann gegen Mittag doch etwas unruhig. Die Otterndorfer Läufer wussten aber gleich wie sie mich wieder ablenken konnten. „Schreib doch ein Gedicht“ sagten sie. Na gut.

Und ehe sie im Watt versank,
lagen ihre Nerven blank
doch als letztes rief sie noch:
Grüßt mir bitte Otterndorf!

Wie gesagt, ich war doch etwas nervös. Aber dann ging es endlich los, mitten hinein in Schlamm, Wasser und Sonnenlicht, das uns den ganzen Tag mit ungewohnter Konstanz verwöhnte. Kaum waren wir unterwegs, löste sich meine Anspannung und sofort veränderte ich meinen Reim:

Schon bei der zweiten Muschelbank,
seufzte sie ein „Gott sei dank,
ich kann über`s Wasser laufen, 
muss nur neue Schuhe kaufen.“


Die Schuhe hatten allerdings wirklich etwas auszuhalten! Ein Paar hatte wahrscheinlich den Spruch vom Steppenhahn am Vortag gehört: Sie lösten ihre Sohlen ab und verwandelten sich so kurzerhand in Badeschlappen. Der zugehörige Läufer lief jedoch davon unbeeindruckt weiter. Wahrscheinlich hatte er auch keine Lust in so einen Flutkäfig zu kommen. 
Mir hat es jedenfalls riesigen Spaß gemacht und meine letzte Gedichtstrophe war dann auch frei von allen Ängsten:

Herrlich ist`s im Schlamm zu baden
von den Zehen zu den Waden
und mit vielen Glitzerpfützen,
sich und and`re nass zu spritzen –
diese und noch and`re Lüste
stillt man an der Nordseeküste!

Übrigens ist auch Otterndorf ein Nordseebad, obwohl es doch ein bisschen an der Elbe liegt. Es ist einfach so, dass es alle Vorteile eines Nordseebades hat und zusätzlich noch die Elbe.

 

VIGLi, die Stadtschreiberin

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