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VIGLis Stade-Blog

VIGLi schreibt in Stade: 2016 wurde ich mit einem Stipendium der Stiftung für Kultur und Geschichte in Stade ausgezeichnet ("Stader Uul"). Der Stipendiat erhält 3000 Euro und drei Monate lang freies Wohnrecht im historischen Pförtnerhaus an der Bremervörder Straße. Der Künstler soll durch diese Zuwendung frei von äußeren Zwängen, seiner künstlerischen Tätigkeit nachgehen können, er muss nicht über die Stadt schreiben. Ich habe aber in diesem Web-Tagebuch einige meiner Beobachtungen und Erlebnissen in der Hansestadt am Elbstrom festgehalten.

18. September 2016. Nachdem der morgendliche Regen aufgehört hatte, hieß es am Samstag dann endgültig: Schlüssel abgeben! Also schnappte ich mir mein Tourenrad, das die letzte Woche noch in Stade auf mich gewartet hatte und radelte einmal mehr die Strecke nach Otterndorf, mit kleinen Umwegen durch die Wingst wurden es diesmal 75 km. P1050595kl

Am Anfang war ich noch ganz in Gedanken versunken, ließ die drei Monate noch einmal Revue passieren und staunte wie sehr sich viele Stellen in und um Stade für mich verwandelt haben, nachdem sie mit Erinnerungen verbunden sind!

In Großwörden stieß dann ein zweiter Radler zu mir, der auch nach Osten fuhr und wir unterhielten uns sehr nett. Ich erzählte von meinem Stipendium und er gab mir ein bisschen Einblick in sein Leben. In Freiburg an der Elbe, wo er geboren war, wäre doch sehr wenig los, meinte er. Als ich anmerkte, dass in Osten ja nun auch nicht gerade der Bär tanzt, machte er mich auf den nahen Bahnhof von Hemmor aufmerksam und auf die "Shoppingmeile".

Nanu, dachte ich, habe ich da etwas in dem kleinen Dorf übersehen, was für eine Shoppingmeile?

"Naja, der Fleischer und die Apotheke", gab er mir zur Antwort und ich musste ein bisschen schmunzeln. Es ist einfach immer wieder total spannend, sich mit Menschen zu unterhalten und ihre Ansichten zu einer Landschaft zu hören!P1050645kl

Meine Radtour endete dann in Otterndorf, wo ich heute den Halbmarathon mitgerannt bin, ehe ich mich wieder in den Zug nach Bochum setzte. Norden ade!

Ich bedanke mich bei allen, die meine Zeit in Stade mitverfolgt, mich ermutigt, getröstet, sich mit mir gefreut haben. Dieser Blog endet heute! Ich hoffe, wir lesen uns irgendwann irgendwo. Meine aktuellen Lesungstermine finden sich immer unter

http://www.vigli.de/index.php/aktuelles

5. September 2016. Letzte Tage sind nicht das Letzte, sondern das Sahnehäubchen auf einer schönen Zeit, das kann ich mit ganzem Herzen sagen. Was sich jetzt noch so ereignet, ist herzerwärmend. Heute Abend war ein Kommen und Gehen im Pförtnerhaus und dazwischen Klänge, Gespräche, Adressenaustausch....

Da wächst eine kreative Gemeinschaft heran, die hoffentlich über das Stipendium hinaus Bestand hat. Ich bin völlig begeistert, dass sich hier in dem historischen Haus Menschen aus Stade treffen, die sich bishe rnicht kannten und dann sofort einen Draht zueinander haben! Es sind nicht nur die Blumen vor dem Häuschen gewachsen offensichtlich! Gitarre, Geige, Texte....ey, da geht noch was!!!

Vorhin habe ich übrigens noch im Musikhaus Magunia vorbei geschaut, um zu fragen, ob sie den heutigen Zeitungsartikel über die Stader Uul im Tageblatt wahrgenommen hatten. Da bin nämlich nicht nur ich als Eule zu sehen, sondern ich töne auch mit einer Holzeule, die ich im Musikhaus gekauft habe. Das hat die Magunia-Menschen gefreut. Dieses Musikhaus ist auch ein kleines Wunder, da hatte ich mich vor meinem Stipendium schon darauf gefreut, dass ich dort Zeit verbringen konnte. Es hat eine ungewöhnlich große Zahl an Instrumenten im Angebot, aber auch Noten und musische Accesoires und sehr kundiges Personal. In diesem Laden lässt sich ganz wunderbar die Zeit vergessen.....Baumhaus

Ein anderes High light der letzten Tage war mein zweiter Besuch im Baumhaus, dem privaten Museum, das am Ende des Fischmarkts steht. Ehemals wurde dort mit einem Baum die Zufahrt zum Hansehafen geregelt.

Beim ersten Baumhausbesuch war ich unterbrochen worden, aber diesmal blieb genug Zeit, um das liebevoll in mühsamer Handarbeit restaurierte Haus zu besichtigen, das ein unglaubliches Stade-Archiv enthält. Es gibt dort fast nichts, was es nicht gibt, von Fotodokumentationen über Hüte bis zu Gruselkisten mit toten Ratten.

Mich interessierte natürlich vor allem die Geschichte des Pförtnerhauses. Noga oelEinst wurde dort Öl produziert, für Maschinen, Schuhcreme und sonstigen Gebrauch. Dosen, Korrespondenz und vieles mehr aus dieser Zeit sind erhalten. Aber auch noch von der Bierbrauerei, dem Bergschlösschen, das dort zunächst angesiedelt war (um 1900), sind  Bierflaschen und Briefe fein säuberlich im Regal sortiert.

Ein Ausflug in eine andere Zeit, der sich unbedingt lohnt!

17. September 2016 Auf den letzten Metern meines Stipendiums habe ich, gleich um die Ecke vom Pförtnerhaus noch eine interessante Entdeckung gemacht: An der Schützenstraße 12 befindet sich das Stader Kunst-Buch-Kabinett. dahinter verbirgt sich ein Antiquariat, das wahre Schätze enthält. P1050550klBesitzer Michael Schleicher fand durch seine eigene Sammelleidenschaft zum Beruf des Händlers. Sein Schwerpunkt sind Künstler der Klassischen Moderne des 20 Jahrhunderts, vor allem Künstler der "Brücke" oder der "Blauen Reiter." P1050548klAber auch weit darüber hinaus hat er in seinen Räumen alte Dinge dem Vergessen entrissen. So finden sich etwa zart bemalte Poesiekarten des 19. Jahrhunderts neben ungewöhnlichen Buchstützen (Art deco), Ausstellungskataloge ebenso wie Stadtansichten von Stade. Wer etwas Bestimmtes sucht, muss allerdings am Besten online recherchieren oder Herrn Schleicher recherchieren lassen. Von seinem Sitz in Stade aus hat Herr Schleicher internationale Kontakte. "Die Sammler sitzten überall auf der Welt", weiß der Antiquar, der leicht beschädigte Ephemera mittlerweile auch selbst restauriert. Seine Leidenschaft für die Buch-Kunst ist durchaus ansteckend und eine Führung durch sein Kabinett für Bücherfreunde wie mich ein schönes Erlebnis. Unter www.staderkunstbuchkabinett.de findet sich das Antiquariat auch im Netz, zur Zeit ist es allerdings wegen eines Serverabsturzs nur bedingt zugänglich. P1050544klAuf der Frankfurter Buchmesse wird Michael Schleicher auch vertreten sein, aber wer in Stade lebt, muss nicht so weit fahren, um sich wertvolle Sammelstücke zeigen zu lassen.

04. September 2016. Wer etwas länger in Stade verweilt, sollte sich auch Zeit nehmen, das Umland der kleinen Stadt zu erkunden. Fast jeder kommt dann auch am bekannten Lühe-Anleger vorbei, wo es Schiffe zu beobachten gibt, aber auch etliche Buden für das leibliche Wohl. Am Wochenende sind dort gerne alle Parkplätze besetzt, in der Woche geht es dort trotz Pommes, Wurst und Co, eher gemütlich zu.P1050250kl

Ein Stückchen weiter flussaufwärts gibt es eine weiteres High light am Elberadweg: Die Überfahrt zur Insel Lühesand. Für Radfahrer, die Gepäck und Rad nicht allein lassen wollen, ist der Ausflug allerdings nur bedingt geeignet, denn die Räder können mit dem kleinen Boot nicht übergesetzt werden. Wer allerdings am Kiosk "Sandhörn" direkt hinter dem Deich fragt, wird dort sein Zweirad sicher auch gut bewacht parken können. Auch Autofahrer können dort für zwei Euro ihren Wagen stehen lassen.P1050219kl

Zweites Hindernis vor Erreichen der Insel ist dann der Fährplan. Nur am Wochenende verkehrt das Boot nachmittags alle 15 Minuten, an den Wochentagen wird allenfalls im Zweistundentakt übergesetzt, wenn überhaupt. Dass es nicht so ganz leicht ist auf Lühesand zu gelangen, macht den besonderen Reiz der Insel aus. Dort finden sich keine Busladungen an Touristen und auch die Camper sind ein individuelles Völkchen. Obwohl dort einer der höchsten Hochspannungsmasten Europas steht (227 Meter) gibt es für Insulaner nur Strom,wenn sie ihn selbst herstellen. So gibt es also kleine Hütten mit Solarzellen oder Menschen, die ihren Tag- und Nachtrhythmus nach der Sonne ausrichten.

Nach meiner Lesung am Samstag nutzten wir den angebrochenen Tag noch für eine Überfahrt zu dieser kleinen Insel. Obwohl sie nur 2 x 3 km groß ist, gibt es eine Menge zu entdecken und zwei Stunden vergingen wie im Fluge.

Abgesehen von den sandigen Pfaden, die in die Naturschutzwildnis oder zu den Campgründen führen, gibt es dort die perfekte Möglichkeit, um Schiffe zu bestaunen. P1050243klWährend wir am Ufer saßen, kam zunächst die Stader Greundiek vorbei geschippert und dann ein Containerschiff, das aus nächster Nähe wirklich beeindruckend riesig ist. Kleiner Mensch am großen Ufer. Ein paar Camper feierten fröhlich in ihrem Zelt-Vorgarten, ansonsten war es im Wesentlichen still. Es ist unglaublich wie sich eine Atmosphäre verändern kann, nur weil das Festland dreihundert Meter entfernt ist. Theoretisch eine kurze Schwimmstrecke, praktisch muss man allerdings die Strömungsverhältnisse kennen und außerdem gewahr sein, dass dort gerne Motorboote entlang geschossen kommen. Ein Badeparadies ist diese Elbe-Teil sicher nicht. Kanufahrer haben allerdings ihren eigenen Bereich auf der Insel und finden dort offensichtlich gute Möglichkeiten vor.

Auf dem Rückweg mussten wir die Schuhe ausziehen, um das Boot zu besteigen, denn der Fähranleger stand unter Wasser. Mit so etwas müssen Insulaner eben rechnen. Ein faszinierendes Kleinod in der Elbe. Übrigens gibt es auch ein Gasthaus auf der Insel, das wir allerdings nicht besuchten. Wer dort einen Kaffee trinken will, sollte sich vorher über die Öffnungszeiten informieren, denn auf Lühesand hat alles seinen eigenen Rhythmus.

11. September 2016 Heute ist der bundesweite Tag des offenen Denkmals! Jede Stadt beteiligt sich dabei nach eigenem Ermessen an dieser Aktion, die der Bevölkerung das kulturelle Erbe nahebringen soll. Jedem, der zurzeit in Stade ist, kann ich nur empfehlen den Hafenkran zu besuchen. P1050440klAuf seine ca 16 Meter hohe Spitze zu steigen ist bei diesem Traumwetter ein Erlebnis. Die Aussicht auf die kleine Stadt ist erstaunlich gut und es ist auch eine besondere Erfahrung, die steilen und luftigen Stufen des Krans zu erklimmen. Wer schwindelfrei ist, wird es sicher genauso genießen wie ich.

Der Turmdrehkran wurde 1927 für die Be- und Entladung von Schiffen konstruiert und erinnert heute noch mit seinem Stahlfachwerk und seiner hölzernen Kabine an diese arbeitsamen Zeiten im Hafen. Mit Hilfe des Landesamts für Denkmalschutz und vielen Sponsoren - die auf einer Tafel am Hafenkran nachzulesn sind - wurde der Kran auf Betreiben der Stiftung für Kultur und Geschichte restauriert und gilt jetzt als eines der Wahrzeichen der Stadt.P1050427kl

Noch höher hinaus kann man in Stade übrigens nur auf der Cosmae-Kirche. Der Turmbesuch lohnt sich wirklich! Einerseits weil das Innere des verwinkelten Turms, die alte Uhr und die Glocken absolut sehenswert sind, aber vor allem wegen der phänomenalen Aussicht auf Stade bis hin zur Elbe. Die verwinkelten Gassen, die schmucken Häuser (alle verschieden hoch!) ergeben aus dieser Perspektive einen ganz besonderen Blick auf die kleine Stadt.

 

3. Spetember 2016. Was für ein Tag! Viel 1000 Mal Danke für alle, die dabei waren und allen, die im Hintergrund zum Gelingen meiner Abschlusslesung beigetragen haben! Das Format "Bewegte Lesung" war für Stade sicher ungewöhnlich und nicht jeder konnte sich etwas darunter vorstellen oder war bereit, eine Lesung in so ungewohntem Rahmen mitzuverfolgen.

Stader Uul CrewDeswegen war meine Freude um so größer, als sich so nach und nach das Publukum heute um elf Uhr am Rathausbrunnen versammelte - dem Nieselregen zum Trotz waren sie teilweise sogar aus Cuxhaven und Otterndorf extra mit der Bahn angereist! P9034606kl

Vor allem glücklich war ich aber auch, dass einige der wunderbaren Menschen, die meinen Stade-Aufenthalt begleitet und geprägt haben, dabei waren und im wahrsten Sinne des Wortes hinter mir standen, um die Performance "Von Wind und Moor" durch die Stadt zu tragen. Zunächst gab es zu zarten Musikklängen (Sarey Sahin) eine wortlose Performance über das Kennen lernen. Genauso wie ich in Stade zu Anfang schüchtern nach Kontakt suchte, an manchen Stellen auf verschlossene Türen traf und an anderen Orten warmherzig aufgenommen wurde, genauso entwickelten wir es in kleinen Bewegungsspielen am Brunnen.

UulDann kam Dynamik auf und wir zogen mit dem Ausruf "Hey sieh mich an!" gen Hökerstraße. Dort mussten wir dann auch einige Schwierigkeiten managen, nicht jeder ist begeistert über ein buntes Völkchen in der Stadt. Ein Umzugswagen forderte seinen Platz, ein Tourist wollte ausgerechnet von unserer Gruppe wissen, wo es lang ging....aber es gab auch Touristen, die staunend einen Moment inne hielten und lauschten. So ist das im Leben, so ist das für einen Schriftsteller, so ist das in einem Stipendium: Es gibt Hindernisse, es gibt Störfelder, aber es gibt auch einen kreativen Fluss, der nicht aufzuhalten ist....

Als nächtes begannen wir Sätze aus meinem Buch "Nebenan" zu deklamieren. Zunächst war das Publikum irritiert, konnte angesichts der Nebengeräusche nicht gut verstehen, aber dann entstand, wie gehofft, der Effekt, dass das Publikum immer näher rückte, um zu hören. Einzelne Sätze, die Assoziationen schaffen konnten, Sprachbilder, vom Moor, von Farben.....

Anschließend wanderten wir weiter in die Buchhandlung Schaumburg, wo wir schon erwartet wurden. Die Musiker Saray Sahin und Wolfgang Ahrens hatten ihre Instrumente dorthin getragen und begrüßten uns mit sanften Klängen. Für einen kleinen Teil des Publikums gab es auch Stühle und dann wurde es ganz konzentriert und leise, als wir mit Musik und Text und Spiel in die Naturwelten meiner Gedichte eintauchten. P9034679kl

Ich erzählte vom Moor, vom Wind,von Leuchttürmen.....und alle lauschten gebannt. Der Applaus anschließend war laut und ehrlich. Viele kauften Bücher, holten sich Autogramme und sagten mir anschließend noch einmal, wie sehr sie von all dem berührt worden seien....Das war wunderschön! Und zum Glück ist es noch kein endgültiger Abschied, für die letzten Tage in Stade habe ich noch viele Verarbredungen und manches wird wohl auch darüber hinaus gedeihen...Kunst verbindet!

07. September 2016. Natürlich gehen drei Monate Stipendium nicht spurlos an einem Menschen vorüber. Nebst einer großen Souvenirtüte, nehme ich tausend tolle Erinnerungen an diese Zeit und auch ziemlich viele Texte mit.

Und wie erkennt man, dass man eine Stader Uul war?

Man erkennt es daran,

  1. dass man überall Eulen sieht,
  2. dass man in einem Satz erklären kann, dass Stadtschreiber nicht über Städte schreiben und deswegen in Stade Eule heißen (und auch nicht über Eulen schreiben),
  3. dass man zum Frühstück Gedichte von Matthias Witzig liest, statt der Zeitung,
  4. dass man jeden Laden mit den Worten betritt: „Entschuldigung, haben sie noch geöffnet?“,
  5. dass man sich beim Kuchen essen überlegt wie Monika Heil in ihren Stade-Krimis die Opfer vergiftet,
  6. dass man nur noch Äpfel aus dem alten Land kauft,
  7. dass man Steinkirchen mit internationalem Frühstück verbindet,
  8. dass man die Gruselkisten im Baumhaus kennt,
  9. dass man Regen für eine Begleiterscheinung von Sonne hält,
  10. dass man als Biologin Schiffe statt Vögel beobachtet,
  11. dass man weiß, wo es in Stade um 21 Uhr noch etwas zu essen gibt,
  12. dass man (mindestens) eine Elbe-Tasche besitzt,VIGLimitTascheundHafenkran
  13. dass man auf dem Hafenkran ganz oben war,
  14. dass man unzählige Fotos vom Pförtnerhaus besitzt,
  15. dass man Erhebungen über acht Meter als Berge bezeichnet,
  16. dass einem Worte wie Koog, Twiete, Geest und Düdenbüttel ganz selbstverständlich über die Lippen gehen,
  17. dass man eine Mückenfangtechnik für vier Meter hohe Räume entwickelt hat,
  18. dass man verirrten Elbe-Radlern nicht nur den Weg erklären, sondern auch noch die Auswahl zwischen dem schönsten und schnellsten Weg beschreiben kann,
  19. dass man sich nicht mehr wundert, wieso es links herum und rechts herum genauso schnell zum Bahnhof geht, weil es in Stade einfach keine großen Entfernungen gibt,
  20. dass man denkt, das Navigationsgerät hat sich versprochen, wenn es etwas anderes als „geradeaus“ sagt,
  21. dass man nie nie nie wieder, den Namen Stade hören kann, ohne zu sagen „Da habe ich Mal gelebt!“

1. September 2016 Sehr schön ist heute der Artikel zu meiner Lesung im Stader Tageblatt. Die Stader Uul als Mosaikstein in einem Netzwerk, genauso sehe ich das.

Hoffen wir, dass es diese halbe Stunde nicht regnet, die Aussichten sind gut. Also kommt in die Stadt, lasst Euch in literarische Welten entführen - und geht dann anschließend noch schön bummeln und Kaffee trinken in der schönen Stadt.

11 Uhr Rathausbrunnen

20160901Stader Tageblatt

7. September 2016 In und um Stade gibt es zwar viel Wasser, aber nicht ganz so viele Möglichkeiten zu schwimmen, denn die Elbe ist doch weitgehend den Schiffen vorbehalten und in den Burggraben fallen manche beim Stand Up Paddling, aber so ein Innenstadt-Graben ist ja doch kein Traumgewässer.

Im Solemio kann man sehr schön seine Bahnen im Freibad ziehen, aber für Freunde von Naturbadeseen ist der Fredebecker See ein Geheimtipp. Eher ein Weiher, als ein See, aber immer noch größer als ein Pool und auch jetzt noch nicht kalt. Fredenbeck Weiher

Wer wie ich mit dem Rad von Stade aus dorthin radelt, hat auf knapp 18 Kilometern  eine sehr hübsche Radtour entlang von Feldern, durch Waldstücke und an Teichen vorbei. Der Badesee liegt etwas außerhalb der Ortsmitte und ist eingezäunt, deswegen nur bis 21 Uhr zu besuchen. Es kostet aber keinen Eintritt, obwohl es Duschen und Toiletten gibt und in den Sommermonaten konnte man am Kiosk auch Pommes und Eis kaufen. Sunset 3

Letzteres gibt es aber auch sehr lecker in der Ortsmitte beim Bäcker. Der See ist nicht groß, aber doch eine Welt für sich, die mittlerweile im September-Modus sehr verlassen wirkt.

Als ich gestern Abend dort meine Runde durch den See paddelte, hatte ich außer den Blesshühnern noch drei Mitstreiter und an der (geschlossenen) Bude saßen vier Herren und tranken ihr wohl selbst mitgebrachtes Bier. Einen von ihn hörte ich telefonieren, er sagte: "Ja, klar, hier ist noch die Hölle los."

Das ist dann wohl die übersichtlichste Hölle, die ich kenne, die fern von jedem Freibadrummel ist.

31. August 2016. Heute steht meine Abschiedslesung im Stader Wochenblatt. Aber was heißt schon Abschied, irgendwie geht gerade erst alles los. Die Phase des staunenden "Ich kenn mich nirgends aus, was gibt es zu entdecken?" verwandelt sich gerade in ein ein "Wow, was wächst denn hier heran?!"

Abends vom Pilates oder Ballett gehe ich jetzt auch nicht mehr allein nach Hause, sondern immer ins Gespräch vertieft. Es ist wie die kleine Blumenmischung, die ich bei meiner Ankunft ausgesät habe und die nun kunterbunte Blüten trägt. "Das sieht hier jetzt so lebendig und bewohnt aus, seit du da bist", sagte mein Tanzkollege heute. Ja, so ist das.

Also kommt bitte alle zum Lauschen und Dabei sein, am Samstag um 11 Uhr zum Rathausbrunnen (und nicht zum Abschied nehmen).

20160831 Stader Wochenblatt