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30. August 2016. Heute hatte ich einen Termin auf dem Gericht. Nicht, weil ich ein Verbrechen begangen habe, sondern weil der Präsident Carl Fritz Fitting so nett war, mich durch die ehrwürdigen Hallen zu führen. Für eine Schriftstellerin ist ein Gericht natürlich immer ein Ort der Inspiration, zumal ich zur Zeit mit Vergnügen zwei Krimis lesen ("Eleonore ordnet ihr Leben" von Monika Heil und "Trittbrettmörder" von Arne Dessaul). P1050022kl

Als ich zur Pforte ging, um nach dem Raum des Präsidenten zu fragen, sagte die Empfangsdame gleich: "Haben sie eine Vorladung?" und ich bekam einen Vorgeschmack, wie man sich denn wohl als kleiner Sünder fühlt, wenn man da ein Papier durch die Glasscheibe schieben muss.

Stattdessen antwortete ich nun: "Nein, ich habe eine Verarbredung mit Herrn Fitting." Daraufhin sortierte die Empfangsdame nervös einige Papiere und fragte: "Weiß er das?"

Als ich ihr sagte, dass ich die Stader Uul sei, schenkte sie mir Glauben und wies mir den Weg in die zweite Etage. P1050025kl

Das Gebäude am Wilhadikirchhof war  1905 ein Neubau und verströmt auch heute noch den beeindruckenden Charme vergangener Jahrhunderte. Antike Türen und Geländer fügen sich um den neuen Fahrstuhl und den modernen Warteraum.

Im Empfangsbereich hängt eine antike Kreidetafel, auf der vormals die Verhandlungen eingetragen wurden. Heute ersetzt ein Bildschirm längst diese Aufgabe, dort flimmern die Nummern der Sitzungssäle neben den Verhandlungsterminen.

Drinnen herrscht absolutes Fotografierverbot, damit niemand fürchten muss, versehentlich auf einem Smartphone abgelichtet zu werden, wenn er sich gerade vor dem Gericht verantworten muss. 

Zurzeit hat das Gericht 77 Mitarbeiter, Dienstagmittag ist außerdem reger Publikumsverkehr, so dass die ehrwürdeigen Hallen sehr lebendig wirkten. Herr Fitting nahms sich Zeit, mit mir einen Rundgang durch das verwinkelte Gebäude zu machen, von der Bibliothek bis zu den ehemaligen Gefängnisräumen, die heute als Archiv dienen.

Ein weiterer Anlass, das Gericht zu besichtigen, war für mich die Tatsache, dass ich aus einer Juristenfamilie stamme und mein Onkel als junger Mann in Stade und Otterndorf gearbeitet hat. Aus seinen Erzählungen von dieser Zeit vor über 50 Jahren habe ich Stade erstmals kennengelernt, Wie sich herausstellt hat Herr Fitting meinen Onkel sogar noch am Landgericht Hannover kennengelernt, wo er bis zu seiner Pensionierung als Richter tätig war. Heute ist mein Onkel 85 Jahre und wird sich sicher freuen, wenn ich ihm von meinen Eindrücken berichte.

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