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VIGLis Stade-Blog

VIGLi schreibt in Stade: 2016 wurde ich mit einem Stipendium der Stiftung für Kultur und Geschichte in Stade ausgezeichnet ("Stader Uul"). Der Stipendiat erhält 3000 Euro und drei Monate lang freies Wohnrecht im historischen Pförtnerhaus an der Bremervörder Straße. Der Künstler soll durch diese Zuwendung frei von äußeren Zwängen, seiner künstlerischen Tätigkeit nachgehen können, er muss nicht über die Stadt schreiben. Ich habe aber in diesem Web-Tagebuch einige meiner Beobachtungen und Erlebnissen in der Hansestadt am Elbstrom festgehalten.

19. August 2016. Heute Nacht zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens wurde schrecklicherweise mein Rennrad, Marke Willier Montegrappa in Stade gestohlen! Willi montegrappaDass es abgeschlossen war und im Fahrradschuppen untergebracht, hat anscheinend als Schutz nicht genügt. Ich hatte heute eine Rennradtour geplant und traute meinen Augen kaum, als mein Gefährt plötzlich verschwunden war. Gestern Abend hatte ich noch den Reifendruck geprüft, da war alles noch gut....... Falls jemand jetzt ein solches Rad angeboten bekommt, bitte gleich der Polizei melden!  Es war ungefähr sechs Jahre alt, ich hatte es vor vier Jahren gebraucht gekauft und war sehr glücklich damit. Als letztes bin ich damit den Oberfeuer Triathlon in Drochtersen inclusive Hin- und Rückweg gefahren. Bis der Dieb das ablöst, klebt deswegen auch die Startnummer 70 noch an der Sattelstütze.

Glück im Unglück ist, dass mein treues Tourenrad nicht mitgenommen wurde, denn ohne Fahrrad sähe das Leben für mich düster aus, es ist doch mein wichtigstes Fortbewegungsmittel, da ich auch kein Auto besitze.

15. August 2016. Wer sich für klassische Musik interessiert und neugierig auf das Schulorchester der Stader Gymnasien ist, sollte heute von 16 bis 17 Uhr im Katharinenhof am Schwarzen Berg vorbeischauen. Dort wird bereits seit Freitag gefeiert: 5555 Tage Katharinenhof - und jeder ist eingeladen!

Als Nachbarin der Einrichtung, konnte ich schon Tage vorher die eifrigen Vorbereitungen mitverfolgen und wurde von den Bewohnern herzlich eingeladen.

Am Freitag war besonders viel Programm geboten. Von Köpke-Eis bis Bratwurst und Kinderschminken war für jede Generation etwas dabei und es war leicht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Besonders interessiert haben mich natürlich die Tiere, die zu Besuch waren:Bartagame Eine Bartagame, Frettchen, ein Kaninchen, ein Pony und Hunde. Dabei habe ich auch erfahren, dass es eine extra Besuchshundegruppe gibt, die regelmäßig dort vorbei schaut. Eine Einrichtung mit einer wirklich netten Atmosphäre, die sich bemüht für alle Bewohner das richtige Ambiente zu schaffen.

Allein der schöne Garten ist schon ein angenehmer Ort, zum Spaziergang locken auch die nahen Schwingewiesen.Ballons

Übrigens habe ich am Frietag gemeinsam mit vielen anderen auch einen Luftballon steigen lassen. Wer einen Ballon findet, erhält eine Überraschung, alsi Augen auf, ob irgendwo ein Zettelchen mit Ballon in den Büschen hängt!

18. August 2016. Was bin ich beschenkt! Ein klingender Nachmittag in Stade liegt hinter mir.

Mit meiner tiefen Verbindung zu Musik - das ganze Leben ist Klang! - bin ich immer auf der Suche nach berührenden Tönen. Und neugierig bin ich sowieso, schließlich bin ich Biologin. Schon bevor ich nach Stade kam, war ich deshalb auf den Namen Wolfgang Ahrens gestoßen. Er beherrscht den mehrstimmigen Gesang aus einer Kehle, den Obertongesang und besitzt so eher unbekannte Instrumente wie Shrutibox und Tambura. Ehemals als Schulleiter aktiv, widmet er sich heute mit mehr Muße der Entwicklung besonderer Konzerte in der Akkustik von Kirchen. Erst letzten Sonntag war er in Apensen zu hören, aber zu meinem Leidwesen hatte ich an diesem Tag keine Zeit. Wolfgang Ahrens

Aber ich kontaktierte den Musiker sofort und er war aufgeschlossen und ich durfte ihn ganz spontan besuchen.

Ich bin hingerissen von den Tamburas, die allein von ihrer Form her schon wahre Schmuckstücke sind. Ihre Besaitung ist relativ simpel, dennoch kann Wolfgang Ahrnes eine Vielzahl an Rhythmen und Klängen damit zaubern, vielfach dienen sie einfach als Klangteppich für seinen mitreißenden Obertongesang.WA Gitarre Der muss dann auch nicht immer meditativ und gregorianisch sein, sondern kann auch ganz weltlich und vergnügt daher kommen.

Zu meiner Freude beherrscht Herr Ahrens auch das Didgeridoo, ein australisches Instrument, das mir bereits aus vielen Zusammenhängen vertraut ist und das ich schon öfter zur Theaterarbeit eingesetzt habe. Auch da ist es faszinierend, wie viele verschiedene Klänge allein durch die Lippenspannung, aber auch in Abhängigkeit vom Material und der Größe des Instruments hervor gelockt werden können! Mir fielen schon 1000 Dinge ein, die wir zusammen gestalten könnten - aber ich fürchte ich brauchte eigentlich ein dreijähriges und nicht ein dreimonatiges Stipendium um das alles umzusetzen! Jetzt klinge ich jedenfalls mit dem ganzen Körper und bin sehr dankbar für das kleine, bunte Privatkonzert.

13. August 2016. Ein beliebtes Ausflugsziel von Stade aus, ist die Halbinsel Krautsand. Dort gibt es nebst schöner Aussicht auf die Elbe auch einen netten Sandstrand, ein grünes Umland, einen tollen Leuchtturm und – einmal im Jahr den liebevoll organisierten Oberfeuer Triathlon Drochtersen. Das ist eine Veranstaltung, die es all denen  leicht macht, die es einfach Mal probieren wollen. DSC 3600kl

Hier geht es nicht um Hochleistungssport und die beste Ausrüstung, sondern um das Dabeisein. Die 400 Meter Schwimmen, 22 km radeln und 5 km laufen, sind deshalb nochmal in zwei bzw drei Runden unterteilt und wer will kann sich das Rennen als Staffel teilen. Wer also bereit ist 200 Meter zu schwimmen oder 2,5 km zu laufen (und für die restlichen Distanz Mitstreiter findet), der kann Wettkampfluft schnuppern, sich über den Beifall und die abgesperrten Strecken freuen. Radeln ohne Gegenverkehr und andere Hindernisse, das macht besonders Spaß. Aber natürlich können auch erfahrene Triathleten die Strecke genießen. Über Sandstrand zu rennen, bleibt mit Sicherheit für jedermann und jederfrau eine Herausforderung! Zugegeben, das Wetter war dieses Jahr nicht wirklich so, wie wir es im August erwarten, aber die zahlreichen Helfer ließen sich davon die Laune nicht verderben und bauten sogar mitten im See eine „Kaffee-Insel“ auf, die von jedem angeschwommen werden konnte, um sich eine Tasse heißen Kaffee abzuholen.

DSC 3612klIch hatte diesmal Besuch aus München und gemeinsam reisten wir per Rad oder Rad und Radwanderbus an und genossen es in den kalten See zu hüpfen, der dann doch gar nicht so kalt war wie der Wind draußen! Die 25 km zurück nach Stade brachten uns dann noch einmal Regenwolken und einen zum zweiten Mal geplatzten Reifen, so dass die schöne Nordseelandschaft wahrscheinlich eher in ihrem rauen Charakter in Erinnerung bleibt, aber letztlich sind wir wohlbehalten wieder in der Hansestadt angekommen und beim Holzkohlegrill bekamen wir sogar um 22 Uhr noch etwas Leckeres zu essen.

18. August 2016.. Wie schön, dass der August nun doch noch Sonnestunden bringt! Da versuche ich meine Mittagspausen möglichst im Freien zu genießen. So landete ich die Tage Mal wieder am Fischmarkt und beschloss, die Pfannkuchen im Pfannkuchenhaus zu probieren, denn da lockte ein hübsches Plätzchen: Am Wasser und direkt neben Mutter Flint.

Wenn ich allerdings gewusst hätte, dass diese bronzene Fischverkäuferin derartig beliebt ist, hätte ich mir vielleicht doch lieber einen anderes Pausenplatz gesucht. Mutter FlintSo bin ich wahrscheinlich als Hintergrundrauschen auf zahlreichen Urlaubsfotos. Mindestens drei Gruppen und mehrere Einzelreisende machten Halt an dem Denkmal, um es abzulichen während ich meinen Pfannkuchen genoss. Es ist meines Erachtens wirklich ein sympathsicher Zug Stades, dass es ein Denkmal für eine ganz einfach Frau gibt. 1861 wurde Mutter Flint als Margarete Pape in Steinkirchen geboren. Im Laufe ihres Lebens bekam sie sechs Kinder und überlebte drei Männer. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie mit Fischverkauf und da sie über 90 Jahre alt wurde, gehörte sie bald so zum Stadtbild, das ihr letztlich ein Denkmal gewidmet wurde. Wer diese Stature alleridings geschaffen und wer sie beauftragt hat, konnte ich bisher nicht herausfinden. Jedenfalls ist es das einzige Denkmal in Stade, das einer Frau gewidmet ist. Die Statue heißt "Mutter Flint mit dem Stint", obwohl sie wohl eher einen Hering im Arm hält. Aber soviel künstlerische Freiheit muss sein.

PfannkuchenDer Pfannkuchen mit frischen Blaubeeren waren übrigens sehr köstlich und die Auswahl an Pfannkuchenvariationen beträchtlich. Vielleicht werde ich die Mittagspause also gelegentlich wieder bei Mutter Flint verbringen, vielleicht erfahre ich dann ja auch noch so nebenher mehr von ihrem bewegten Leben, das sogar Anlass zu einer eigenen Stadtführung auf den Spuren dieser berühmten armen Frau ist.

12. August 2016. Was ist der schönste Platz in Stade?

Touristen werden dann meistens an den Fischmarkt verwiesen, der auch wirklich beeindruckend ist mit seinen schönen Häusern, dem Miniaturhafen, den Kneipen und Cafes und dem Holzkran.

Aber mein schönster Platz in Stade ist das off balance Tanzstudio!

Ballett1Schon im Vorfeld meines Stipendiums, hatte ich mich im Internet kundig gemacht, ob es vielleicht eine Möglichkeit gibt hier mein, ohnehin meist unregelmäßiges, Ballettraining, weiterzuführen. Ich habe nicht unbedingt erwartet, dass ich da etwas geeigntes finde, gerade Ballett für Erwachsene ist nicht oft im Angebot.

Aber im liebevoll von Claudia und Tanya geführten Studio gab es tatsächlich das Gewünschte  und außerdem eine ganz wunderbare Atmosphäre. Trotz Sommerpause fanden Kurse statt und so führte mich einer der ersten Wege zur Schnupperstunde bei Tanya. Obwohl ich ihr gleich gestehen musste, dass ich kein Dauergast werden konnte, weil ich nur drei Monate in Stade bin, nahm sie mich so engagiert und herzlich auf, dass ich mich in der fremden Umgebung schlagartig heimisch fühlte. Ich durfte bei zwei Stunden schnuppern und mit einer Zehnerkarte gab es dann auch für mich als Teilzeit-Teilnehmerin eine gute Lösung.

Ob Ballett, Pilates oder Aerobic - alles wird im off balance mit so viel Lebensfreude und Begeisterung, mit Sachverstand und ganz ohne Druck vermittelt, dass ich anschließend immer gute Laune habe (und manchmal auch Muskelkater :-) ).

Ganz besonders zeigt sich diese wohltuende Atmosphäre an so einem grauen und nassen Sommertag wie sie im Moment leider die Regel sind. Ballett2Da scheint nach einer Stunde Tanz einfach trotzdem die (innere) Sonne und warm ist einem dann natürlich auch.

Wer jetzt neugierig geworden ist, dem kann ich nur empfehlen, seht euch den Stundenplan an und traut euch einfach. Egal ob alt oder jung, bei Claudia und Tanya gibt es für jeden den passenden Platz.

http://offbalance-stade.de

17. August 2016. Die Wohnstätte Stade eg hatte eingeladen und so hatte ich die Chance vor einer großen, interessierten Runde im Hannes-Kordt-Haus meine Bücher vorzustellen. Allein der Rahmen war schon sehr angenehm, mit Kaffee und Kuchen. Zudem schien die Sonne in den Garten. Allerdings lärmten dort die Rasenmäher, als ich eintraf, sie waren allerdings pünktlich zur Lesung zum Glück fertig :-) P1040535VIGLi Nebenan

Das Publikum war sehr nett, ich spürte, dass sich die Leute teilweise untereinander kannten und schon vor der Lesung kam ich ins Gespräch, weil die Gäste interessiert an meinem Büchertisch stöberten. Dr. Christian Pape, Leiter der Wohnstätten, hat mich dann sehr nett und persönlich begrüßt. Danach habe ich aus "Nebenan" gelesen und noch sehr kurz aus "Abgelaufen" .

Hinterher hieß es unter anderem: "Ich hätte ihnen gerne noch weiter zugehört", was mich sehr gefreut hat. Eine Stunde diskutierten wir dann noch über Romanfiguren, das Ruhrgebiet, Sport und Wohnprojekte. Eine sehr angenehme Atmosphäre und ich freue mich, dass ich so viel Raum zur Darstellung meiner Arbeit bekam.

11. August 2016. Es gibt eigentlich nichts, was es in Stade nicht gibt. Ob Sportverein oder Tanzschule, Musikunterricht oder Theater - für jedes Genre gibt es mindestens eine Anlaufstelle.

Am letzten Dienstag hatte ich die Chance das Theaterangebot von Matthias Schlüter kennenzulernen. Der Diakon der evangelischen Kirchengemeinde hat für Theater- und Musikbegeisterte ein tolles Angebot aufgebaut: Jeden Dienstag wird im Gemeindehaus Bockhorster Weg 27 gespielt. 16:30 Uhr bis 18 Uhr sind die Jugendlichen an der Reihe, ab 20 Uhr sind die Erwachsenen im Spielfieber. Oft besteht ja das Geriücht, dass (Theater)spielen nur etwas für junge Leute ist, dabei ist Spielfreude völlig unabhängig vom Alter. Die Gruppe, die ich am letzten Dienstag kennen gelernt habe, steckte jedenfalls voller Energie und Neugier und vereinte verschiedene Generationen im Spaß an der Freude. Manche sind schon über viele Jahre dabei, es sind Freundschaften entstanden und Vertrauen. Also einfach Mal vorbei schauen!

 

17. August 2016. Heute lese ich auf Einladung der Wohnstätte Stade aus meinem aktuellen Buch "Nebenan". Die Zusammenarbeit mit den Wohnstätten ist dabei für mich höchst erfreulich. Den Termin haben wir schon langfristig festgelegt und ich bekam ganz unkompliziert die Chance, mir den Veranstaltungsraum vorher anzusehen. Dort herrscht in jedem Fall eine schöne Atmosphäre und es sieht ja im Moment so aus, dass ich tatsächlich ohne Regenschirm dorthin spazieren kann. Ich freue mich schon.

Übrigens: Wer Interesse hat an meiner szenischen Abschlusslesung am 3. September mitzuwirken, darf sich gerne bei mir melden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

9. August 2016. Was ich so schreibe, werde ich hier oft gefragt. Viele denken, weil ich als Biologin in der Forschung arbeite, könnte ich nur wissenschaftliche Texte verfassen. Das ist nicht so! Am liebsten erzähle ich über Menschen, beschreibe schrullige Charaktere, weil ich solche individuellen Typen einfach wunderbar finde. Ich schreibe über Schicksalsschläge, weil das Leben voller Überraschungen ist und wir nicht alles in der Hand haben, das ist das Wesen des Lebendigen. Alle meine Romane und Kurzgeschichten sind erfunden, aber sie könnten doch auch irgendwo passiert sein. VIGLi liestIch erzähle von dem zurückgezogenen Eigenbrödler, der eine Frau vor dem Selbstmord rettet und dabei selbst ins Straucheln gerät („Nestel“) oder ich begleite die junge Stalkerin, die unerwartet miterleben muss wie ihr Idol aus der Bahn gerät („Die Beobachterin“). Ich erzähle von dem Arbeitslosen, der sich trotzdem teure Schokolade kauft und der Studentin, die sich auf ein abenteuerliches Experiment einlässt („Nebenan“). P1030983klAußerdem habe ich schon mehrere Bücher über meinen Lieblingssport, das Laufen, geschrieben. Aber auch da geht es nicht um sachliche Trainingspläne und Wettkämpfe, sondern um die vielen menschlichen Begegnungen, die sich mit Schwimmbrille und Jogginghose so abspielen. Im Gegensatz zu meinen Romanen und Kurzgeschichten, ist in den Sportbüchern nichts erfunden, sie schildern in kleinen autobiografischen Anekdoten wie lustig es sein kann, mit harten Kerlen Marmelade auszutauschen oder sich in den Graben zu werfen und dabei ganz nebenher für große Ziele zu trainieren. Wer ein Buch mit Autogramm will, kann sich gerne bei mir melden, ich habe ein paar Bücher im Pförtnerhaus vorrätig Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ansonsten sind die Bücher über jede Buchhandlung zu beziehen, aber auch über amazon zu bestellen oder direkt beim SalonLIteraturVerlag.Im August stehen auch einige Lesungen an, vielleicht sehen wir uns ja auch da!

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