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VIGLis Stade-Blog

VIGLi schreibt in Stade: 2016 wurde ich mit einem Stipendium der Stiftung für Kultur und Geschichte in Stade ausgezeichnet ("Stader Uul"). Der Stipendiat erhält 3000 Euro und drei Monate lang freies Wohnrecht im historischen Pförtnerhaus an der Bremervörder Straße. Der Künstler soll durch diese Zuwendung frei von äußeren Zwängen, seiner künstlerischen Tätigkeit nachgehen können, er muss nicht über die Stadt schreiben. Ich habe aber in diesem Web-Tagebuch einige meiner Beobachtungen und Erlebnissen in der Hansestadt am Elbstrom festgehalten.

07. August 2016. Die Zeit in Stade möchte ich natürlich auch nutzen, um so viele Laufveranstaltungen wie möglich mitzunehmen, die ich sonst nicht so leicht erreiche. So kamen mein Freund und ich auf die Idee, den Sonntag heute für den Marathon "Rund um Wellen" zu nutzen.

W wie Wellen oder Wohnstätten (ein wichtiger Sponsor für die Stiftung für Kultur und Geschichte!). DSC 3506Wohnstätte

Eine Veranstaltung, die heute tatsächlich schon zum 46. Mal stattfand und von der trotzdem sicher noch nicht viele Leute gehört haben. Wellen ist so unbekannt, dass unser Navi es auch nicht kannte und wir dann morgens um halb acht zunächst zwischen Maisfeldern vergeblich nach einem Hinweis suchten.

Zum Glück hat es dann doch noch geklappt, denn wer bei Läufen lieber Landschaft statt Menschen um sich hat wie ich, ist dort genau richtig. Unglaublich vielfältig geht es dort durch das einsame Bauernland. DSC 3526klDie knapp 50 Teilnehmer verteilten sich bald auf die Marathonstrecke, so dass wir wirklich alleine waren.

Die lieben Menschen an den Verpflegungs-posten saßen ausdauernd an der Strecke und wir nahmen uns immer auch Zeit für einen kleinen Plausch. Möglicherweise komme ich schließlich nie mehr nach Wellen! Das Wetter war perfekt, sogar ein paar Regentropfen haben wir abbekommen, aber das kühle Wetter war einmal mehr sehr angenehm, denn zwischen den Feldern heizt es sich doch schnell auf.

DSC 3567klNach knapp viereinhalb Stunden erreichten wir das Ziel, damit war ich dann sogar zweite Frau, es gab eine kleine Siegerehrung, Kuchen, Bratwurst, ein bisschen plaudern und die Sonne kam auch noch heraus. Ein herrlicher Vormittag und jetzt weiß ich nicht nur, wo Wellen liegt, sondern auch,  dass es  Ahe, Kirchwistedt und Stubben gibt - das sind Namen, die einer Schriftstellerin durchaus Vergnügen bereiten!

30. Juli 2016 Leute, vergesst Mauritius, Malediven und Mallorca und seht euch lieber Pinnebergs Insel Pagensand an: Wasser, Wellen, Leuchttürme, Schiffe, unberührter Strand, Enten, Reiher und Seehunde – einen phantastischen Abend konnte ich auf dem Tidenkieker erleben!

Morgens war es noch Grau in Grau, aber rechtzeitig zur Fahrt mit dem Flachbodenschiff riss der Himmel auf und bei absolut perfekten Bedingungen schipperten knapp 50 Interessierte mit zwei Kapitänen und einem Dozenten über die Schwinge hinaus auf die Elbe und zur Naturschutzinsel Pagensand.Schwinge

Durch die spezielle Konstruktion des Bootes, das extra für diesen Zweck gebaut wurde, ist es möglich trotz geringen Wasserstands voranzukommen und damit freien Blick auf das Watt und die Tiere zu erhalten. P1040100SeehundSeehunde blinzelten neugierig zu uns herüber und ließen sich vom Brummen des Schiffsmotors nicht stören.

Pagensand war ursprünglich nur eine Sandbank, die dann aber mit Material aus der Elbvertiefung aufgeschüttet und unter Naturschutz gestellt wurde. Nun lässt sich dort beobachten wie sich stufenweise ein Wald entwickelt. Auch Reh- und Wildschweinspuren wurden schon gesichtet.

Die Insel ist mittlerweile etwa sechs Kilometer lang und gehört drei verschiedenen Gemeinden Pinnebergs. Bis vor zwanzig Jahren lebte noch ein Landwirt auf der Insel, unterdessen ist sie unbewohnt und als wir den glatten Sandstrand betraten, war das auch sofort spürbar. PagensandstrandLeider hatten wir nur Zeit für einen kurzen Rundgang durch das kleine Paradies. Als wir zurück zu unserem „Tidenkieker“ kamen, schipperte gerade majestätisch die Aida vorbei. Die langsame Weiterfahrt durch das Flachwasser im Sonnenuntergang, entlang von Schilf, Reihern, Enten, Seehunden und dem Leuchtfeuer Juelsand war atemberaubend schön.

Obwohl es mit sinkender Sonne und auffrischendem Wind ganz schön schattig wurde, habe ich jeden Moment an der Reeling verbracht und die Stimmung in mich aufgesaugt. P1040118klObwohl ich ja schrecklichste Erinnerungen an eine Helgolandfahrt habe und mir die See- und Schifffahrt eher fremd ist, konnte ich mich dem Zauber dieser Weite und des sanften Wellengangs nicht entziehen. Tatsächlich sind alle diese Tidenkiekerfahrten auch nur durch eine ehrenamtliche Gruppe Begeisterter möglich, die jede Ausfahrt nicht in erster Linie als Arbeit, sondern als Geschenk erleben. Nach diesem Abend kann ich das verstehen!

06. August 2016 Coffee to go war gestern, jetzt ist Logo-to-go angesagt: Eine Tasche mit Logo!

Dieses persönliche Souvenir gibt es seit einem Jahr in der Ahoi-Werkstatt von Carola Arndt-Vöge an der Kehdinger Straße. Die von ihr hergestellten Elbe-Taschen sind aus Planen und Segeltuch hergestellt und das Gegenteil von Massenware, jedes Stück ist ein Unikat. Wer eigene Vorstellungen mitbringt, darf sie der Taschenkünstlerin gerne schildern und dann entsteht auf dieser Basis ein neues Produkt. keinewiedieandere1Trotzdem sind die Preise nicht abgehoben, sondern Material und Aufwand angemessen. Ein Buchstabe nach Wahl auf der Tasche kostet z.B: 5 Euro.

Mit dieser Idee hat sich die gelernte Raumausstatterin schnell einen Markt erschlossen. In der Zeit in der ich im Laden war, kamen jedenfalls einige Gäste, um die verschiedenen Taschen genauer zu betrachten und sich ein persönliches Exemplar zu sichern.

Auf die Elbe-Taschen stößt man aber nicht nur im Ahoi, sondern auch in den Museen. Dort ist die Idee ursprünglich entstanden, als aus den Werbesegeln die ersten Ausstellungs-bezogenen Taschen hergestellt wurden. Upcycling und Unikatherstellung kamen so gut an, dass es ein Dauerbrenner geworden ist. keinewiedieandere2

Carola Arndt-Vöge, die auch Polstermöbeln neuen Chic verleiht, ist aber auch offen für andere Künstler. Im Fenster finden sich ein paar extravagante Modelle von anderen Taschenschneidern und an den Wänden der hohen Räume sind zur Zeit Gemälde von Britta Brüning zu bewundern, deren Atelier ansonsten in Steinkirchen liegt.

Also unbedingt vorbeischauen, auch wenn die Kehdinger Straße nicht zur zentralen Fußgängerzone gehört – weit ist der Weg zum Shop im kleinen Stade trotzdem nicht! Und ich freue mich jetzt auf meine VIGLi-Elbe-Tasche!

30. Juli 2016 Herzlichen Dank an alle Besucher, die meine „offene Pforte“ genutzt haben! Mit Freude habe ich erfahren, was ich für nette Nachbarn habe und eine schreibende Kollegin konnte ich auch schon kennen lernen! P1030994klÜberraschungsgast war eine Arbeitskollegin aus Köln, die gerade in der Gegend unterwegs war und mit frischen Kirschen beladen vor der Tür stand. Das war genauso, wie ich es mir erhofft hatte!

5. August 2016. Es ist überliefert, dass bereits im 17. Jahrhundet im Alten Land Obst angebaut wurde, unterdessen wichtigstes Merkmal dieser Region südlich der Elbe. Obwohl der Obstanbau schon solange etabliert ist, hat der Name "Altes Land" übrigens nichts mit dem Alter zu tun, sondern verweist auf den plattdeutschen Namen "Olland", der durch die niederländischen Kolonien um 1200 geprägt wurde.Blaubeeren Obst aus dem Alten Land habe ich auch in Bochum schon gekauft, aber jetzt so nah dran hat das natürlich eine ganz andere Qualität. Abgesehen davon, dass ich es wunderbar finde entlang der Obstanbaugebiete zu radeln, locken auch allenthalben Obsthöfe mit frischem Verkauf. Manchmal sind den Höfen richtig große Läden angegliedert, aber oft findet sich auch einfach eine kleine Kasse neben den frisch geprflückten Kirschen oder Beeren.

Da mir lieber Besuch gerade eine ganz Schale Blaubeeren mitgebracht hat, habe ich heute Schlemmertag mit meinen Lieblingsfrüchten, die ja leider nur kurz Saison haben. Kraeuter

In meinem kleinen Garten am Pförtnerhaus habe ich zwar kein Obst, aber immerhin Basilikum und Petersilie angebaut, die ich mittlerweile täglich frisch ernten kann.

Außerdem habe ich gleich am ersten Tage eine Wiesenblumenmischung ausgesät, die nun seit ein paar Tagen blüht und schon eifrig Nektarsucher angelockt hat. Es blüht und gedeiht im Pförtnerhaus!

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30. Juli 2016 So ihr Lieben, nicht vergessen, heute, am Samstag den 30. Juli von 14 bis 16 Uhr dürft ihr mich besuchen! Offene Tür im Pförtnerhaus! Das historische Pförtnerhaus an der Bremervörder Straße 77 in Stade wird alljährlich von einem Stipendiaten auf Einladung der Stiftung für Kultur und Geschichte bewohnt. Pfoertnerhaus Regenbogen

Das war nicht immer so: Um 1900 wurde hier Bier gebraut! Danach wurde das Fabrikgelände von der Norddeutschen Ölgesellschaft NOGA übernommen. Deswegen kennen manche das Haus auch unter dem Begriff "Noga-Villa". Das Pförtnerhaus ist das einzige Gebäude, das von den Industrieanlagen noch erhalten ist. Und ich bin wohl die erste von bisehr 19 Stipendiaten, die mit so einem Nachimittag der offenen Pforte zu einem Einblick in das Haus und mein Schaffen einlädt, also nutzt es. Ich freu mich auf Euch!

03. August 2016. Feucht und grau begrüßte mich der Tag heute. Aber ich hatte eine Einladung nach Steinkirchen, die ich unbedingt wahrnehmen wollte: Zum internationalen Frauenfrühstück. Also schwang ich mich aufs Rad, um die 20 Kilometer über Twielenfleth und am Elbdeich entlang unter die Pedale zu nehmen. P1040239AnfahrtEs hat schon auch einen besonderen Charme in dieser grauen Nebelwelt zwischen Wasser und Apfelbäumen unterwegs zu sein. Um neun Uhr kam ich am Dorfgemeinschaftshaus in Steinkirchen an und obwohl ich bisher nur ein wenig über Facebook mit der Organisatorin Susanne Graf-Geller in Kontakt war, fühlte ich mich sofort gut aufgehoben und mittendrin. Eine Erfahrung, die wohl alle der rund 50 Frauen, die diesen monatlichen Termin wahrnehmen einmal gemacht haben. P1040230essen2

Jeder bringt seinen Teller, eine Tasse und etwas zu essen mit und schon entsteht ein leckeres, multikulturelles Buffet.

Der Beginn dieses offenen Frühstückstreffs liegt schon dreizehn Jahre zurück, als Susanne mit einer ägyptischen Freundin auf die Idee kam. Schon damals, bei ihrem ersten Treffen, waren es achtzehn Frauen, die spontan zusammenkamen und damit war klar, dass die Idee kein Luftschloss war, sondern etwas, worauf viele nur gewartet hatten. Netzwerkerin Susanne Graf-Geller knüpfte fortlaufend weiter Kontakte und bemühte sich um jeden Einzelnen. Auf diese Weise hat sich das Frühstückstreffen als Kulminationspunkt ihrer multikulturellen Arbeit immer weiterentwickelt, immer mehr Frauen angesprochen. So ist ein breites Netzwerk entstanden, das jenseits kurzfristiger Asylpolitik, die Frauen im Landkreis zusammenbringt. Dass das funktioniert, erlebte ich heute am eigenen Leib: Schnell wurde ich angesprochen woher ich käme und kurz darauf war ich mit einigen Frauen zwischen Marmeladenbrot und exotischer Kartoffelpaste per Du.

P1040231essenDem alten Land eilt ja der Ruf voraus, die Menschen seien wortkarg und ablehnend – mindestens einmal im Monat in Steinkirchen können sich die Frauen davon überzeugen, dass es auch anders geht. Mitten in dem idyllischen Steinkirchen, mit dem malerischen Ortskern zwischen Lühe und Kirche, geben sich beim monatlichen Mittwochstreff alle denkbaren Nationalitäten die Klinke in die Hand und plaudern ohne Unterlass. Ob aus dem Iran, der Türkei, den Philippinen, Südamerika oder Deutschland – jeder hat im Dorfgemeinschaftshaus seinen Platz. „Über Susanne könntest du zehn Bücher schreiben“, raunt mir eine der Frauen lächelnd zu. Was Susanne mit Herzblut und viel Zupacken aufgebaut hat, ist wirklich herzerwärmend. Auch als sich eines der anwesenden Kinder in den Finger geschnitten hat oder der Strom ausfällt, verliert sie nicht die Nerven, sondern vertraut darauf, dass die netzwerkenden Frauen eine Lösung finden.

Es hat Spaß gemacht, einmal Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Ich nehme davon auch Inspiration für meine Flüchtlingsarbeit in Bochum mit und außerdem bin ich für Freitag bereits mit einer der Frauen verabredet…..

Also Frauen, vorgemerkt: Jeden ersten Mittwoch im Monat im Dorfgemeinschaftshaus in Steinkirchen, Anmeldung nicht erforderlich,  einfach mit ein paar Brötchen hingehen und mit vielen neuen Kontakten nach Hause fahren!

29. Juli 2016 Mittwoch nachm ich an einer Führung durch das sogenannte CFK-Valley in Stade teil. CFK bedeutet carbonfaser verstärkter Kunststoff. Das CFK-Valley in Stade ist ein Zusammenschluss verschiedener Forschungseinrichtungen, die sich mit diesem Kunststoff beschäftigen. Über 100 Mieter befinden sich auf dem von der Stadt zur Verfügung gestellten Gelände, von der privaten Hochschule mit speziellem Studiengang Verbundfaserstoffe bis hin zu Airbus.

Baustoffe durch Fasern zu verstärken ist nicht neu. Schon die Ägypter kamen auf die Idee Stroh in Tonziegel einzulassen, um die Eigenschaften des Materials zu verbessern. Für CFK werden Kohlenstofffasern in eine Matrix aus Epoxidharz eingelassen. Ein aufwändiger Prozess bei dem die Ausrichtung der Fasern entscheidend für die Materialeigenschaften ist. Das Besondere von CFK ist, dass es leicht und zugleich stabil ist. Das Gewichtsverhältnis zu Stahl liegt bei 1:3. Entsprechend gibt es eine Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten, von Fahrrädern über Autos und Flugzeuge bis hin zu Prothesen.

Die Herstellung ist allerdings bisher noch teuer und aufwändig und es gibt auch einige Nachteile. Zum Beispiel kann ein Werkstück wie z.B. ein Fahrradhelm aus CFK, gebrochene Fasern enthalten und somit nicht mehr stabil sein, ohne dass man es ihm ansieht. Nur mittels Ultraschall erkennt man die Fehler. Auch der hohe Preis verhindert bisher in einigen Bereichen die Großproduktion. Infopoint

Wir konnten jedenfalls verschiedene Beispiele des Kunststoffs in der Hand halten während Frau Henning von der Öffentlichkeitsarbeit des Valley kompetent über diesen Baustoff und die darum angesiedelte Industrie berichtete. SolardachDer Vortrag fand allerdings in einer Solarhalle statt, deren Wärmetechnik nicht so richtig optimal war, d.h. die Temperatur darin entsprach eher einer Sauna. Durch das Valley durften wir leider nicht gehen. Da es tatsächlich auch schon zum Ideenklau gekommen ist, verwehrt sich zum Beispiel das Fraunhofer Institut einem Einblick. Die DLR (Deutsche Luft- und Raumfahrt) hat weniger Ängste und ermöglichte uns über ein Schaufenster Einblick in den Forschungsbereich, der allerdings für den fachfremden Besucher wenig informativ ist: Eine große Halle mit verschiedenen Geräten, dazwischen vier Menschen in eine nicht bekannte Tätigkeit vertieft. Die anderen 156 Mitarbeiter dieses Zentrums wären wahrscheinlich an ihren Schreibtischen mutmaßte Frau Henning. Schließlich handelt es sich dort um Forschung, nicht um Produktion. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, ist das oft schwer zu visualisieren. Insgesamt war es durchaus interessant.

Von den 50 Leuten, die an der Führung teilnahmen, waren nur zwei mit dem Fahrrad angereist. Wir beide kamen dadurch gleich ins Gespräch und so tauchte ich nach dem CFK-Valley gleich noch in eine ganz andere Welt Stades ab. Spannend, was ich hier so erlebe!

02. August 2016. Kürzlich saß ich im Cafe am Goebenhaus - übrigens eine empfehlenswerte Adresse, nicht nur wegen des schönen Gartens mit Blick auf den  Fischmarkt, sondern auch wegen der erlesenen Kuchen und Torten, die durchwegs frisch und hochgradig lecker sind - also ich saß dort und studierte die vielfachen Hinweise auf Kunstausstellungen, die sich dort finden. Auch deswegen ist das Cafe nämlich ein wichtiger Treffpunkt, Kunst wird dort hochgehalten.

An jenem Nachmittag entdeckte ich den Hinweis auf die "Sehstücke", eine Ausstellung unweit des Bahnhofs, die nur jeden Dienstag zu besichtigen ist.Sehstuecke Heute machte ich mich auf und klingelte an dem Backsteinbau mit dem verwunschenen Garten. Atelierbesitzerin ist die freischaffende Künstlerin Roswitha Precht. Sie hat sich seit vielen Jahren dem Thema "Katzen" verschrieben und zeichnet diese mit einer feinen Strich- und Wischtechnik aus Kreide und Bleistift. Es entstehen dabei Bilder, die weit über das eigentliche Tier hinausreichen und etwa das Sphinxhafte oder das Schmeichelhafte eines Menschen durch die, mitunter nur angedeuteten Katzengesichter, ausdrücken. Dabei muss die Malerin hoch konzentriert vorgehen, denn ein Übermalen oder Radieren ist mit dieser Technik nicht möglich, jeder Strich muss sitzen und in seiner Bedeutung klar sein. Dabei ist manchmal gerade das bewusste Weglassen einzelner Konturen, bestimmend für die Bildaussage.

Neben ihren eigenen Arbeiten stellt Frau Precht aber auch anderen Künstlern Ausstellungsraum zur Verfügung. Zurzeit hängen sehr sehenswerte Pastell- und Kugelschreiberbilder von Monika Bethmann in der ersten Etage. Die Landschaftsbilder sind dabei unverkennbar von der Weite dieser Region geprägt und fangen die Stimmungen auch in relativ kleinen Formaten ausdrucksstark ein. Also, wer dienstags in Stade ist, unbedingt die Adresse Am Burggraben 3 vormerken!

27. Juli 2016 Wer so wie ich, die Gelegenheit hat bei einer Stolper-Führung dabei zu sein, legt sich nicht auf die Nase, sondern bekommt von Hans-Jürgen Stolper einen spannenden Blickwinkel auf Stade gezeigt: Den Weg der Stader Bastionen.Herr Stolper Von 1645 bis 1712 war Stade unter schwedischer Herrschaft. In dieser Zeit wurde die Stadt zu einem Festungsbollwerk ausgebaut, deren markante Spitzen - die Bastionen - noch heute erkennbar sind. Jedenfalls, wenn man mit Hans-Jürgen Stolper unterwegs ist, der mit viel Herzblut, das Wissen über diese ursprünglichen Festungsanlagen weitergibt und auch bereitwillig Brennnesseln schneidet, um die alten Pfade freizulegen.Bastion Gruppe Jede Bastion hat einen eigenen Namen, zum Beispiel Burgberg-Bastion, die der zugehörigen Straße den Namen gegeben hat. Andere Namen, wie etwa die Wranger Bastion, sind nur noch verblichen auf einem Stein nachzulesen. Überhaupt sind die Bastionen und Wege der Wallanlagen vielfach zugewuchert, ansonsten ergeben sie auch heute noch gute Aussichtspunkte. Es gibt auch eine Wegmarkierung „Die Schweden in Stade“ mit einem vieleckigen Stern auf grünem Grunde, der auf diese Bastionsroute verweist. Über diese Schilder habe ich mich bisher schon immer gewundert und konnte sie erst jetzt in einen Zusammenhang stellen. Besonders interessant an der Tour mit Herrn Stolper ist, dass er nicht nur über das Mittelalter referiert, sondern aus seiner eigenen Erfahrung heraus auch die noch jüngere Geschichte lebendig werden lässt. Zum Beispiel wie sie als Kinder verschiedene Hügel zum Schlittenfahren nutzen konnten, die Wassergräben beste Schlittschuhbahnen abgaben oder die Pflaumenlaster für den nächsten Kuchen stürmten.Fuchsloch Besonders eindrücklich fand ich den Bericht über das Fuchsloch, das Herr Stolper extra für unsere Gruppe einmal mehr vom Buschwerk befreit hatte. Dennoch erkennt der ahnungslose Betrachter dort nur ein kleines Loch. Tatsächlich handelt es sich aber um einen ehemaligen Fluchtweg, einen gut ein Meter hohen Tunnel, der mit roten Ziegelsteinen ausgemauert ist. Als kleiner Junge wurde Hans-Jürgen Stolper zur Erkundung, mit Schnur und Kerze ausgestattet, um den Tunnel ein Stück zu begehen. Der Rundgang hat mir Stade und seine lange Geschichte sehr lebendig werden lassen.