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8.9.2019 Als begeisterte Gipfelsammlerin, wollte ich meinen Soltau-Aufenthalt natürlich auch für einen Ausflug zum Wilseder Berg nutzen. VIGLirennt inderHeideDieser Hügel ist ganze 169 Meter hoch und hat es trotzdem geschafft, als höchster Punkt der nordwestdeutschen Tiefebene, gefeiert zu werden. Es kommt eben immer auf die Relationen an und in einer flachen Weite, taugt so eine Erhebung als wunderbarer Aussichtspunkt. Der Hügel ist von einer eiszeitlichen Endmoräne übriggeblieben und möglicherweise ist so ein Gletscherblock – das Tot-Eis – auch der Namensgeber für den Totengrund, der ebenso berühmt ist wie der Wilseder Berg.

Das sind so die Dinge, die in den Reiseführern stehen.

In Wirklichkeit handelt es sich bei der Erhebung um ein Dinosaurierhaus und immer wenn der Bau im Sommer so richtig aufgeheizt wird, dann atmet Eddi, der Drache, lauter kleine Feuer aus, die mit rosarotem Licht, die ganze Ebene erleuchten. Solange die Flammen brennen, ist überall Leben, Menschen und Tiere wärmen sich und wandern über die sandigen Wege. 20190908 114515klAber wenn sich das Rosarot in rostiges Braun verwandelt, der Nebel zwischen den Wacholderbüschen hängt, dann kehrt eigentlich überall Ruhe ein. Nur im Totengrund treffen sich die Geister der Verstorbenen.

So ist das oder vielleicht noch anders, denn eins ist gewiss: Die Heide ist voller Überraschungen, die sich mit Fotos und Hochglanzbroschüren nicht einfangen lassen. Mein Freund hatte heute eine schöne 12-km-Rundtour von Niederhaverbeck über den Wilseder Berg mit Totengrund und Overhaverbeck herausgesucht, die wir im Laufschritt rannten. Was für ein Vergnügen über den hellen Sand und den weichen Waldboden zu springen!20190908 113445kl Immer wieder mussten wir aber stehenbleiben, um wenigstens ein paar Eindrücke mit der Kamera einzufangen. Groß gewachsene Eichen, Blaubeersträucher, Wacholder, Kiefern und dann dieses Rosa. Oder eigentlich Lila. Oder Violett. Darüber der blaue Himmel und zwischendrin plötzlich Heidschnucken.

2019 09 08 12.44.22klPlötzlich waren sie da, eine ganze Herde, Das leise Trappeln der Heidschnuckenfüße, das Raspeln ihrer ständig kauenden Münder, schien die Melodie des rosaroten Heidekrauts zu sein. Vom Wilseder Miniaturgipfel konnte man angeblich bis Hamburg sehen oder vielleicht einfach bis zur Erdkrümmung. Alles war rosalilaviolett und alle Menschen lächelten, weil es unmöglich ist, so viel Rosa zu sehen, ohne sich in die Welt zu verlieben. Ich schnuckelte durch die Septembersonne, bekam ganz gerötete Wangen, weil mir warm war oder weil die Heideluft vielleicht einfach rosa ist und alles einfärbt. Vielleicht bleibt im Totengrund doch auch von jedem Lebenden etwas zurück, ein rosarotes Flämmchen, das dann in der Nacht den Geistern leuchtet, die dort beschützt von den Wacholderwachtposten ein nächtliches Fest feiern.

Lieber Leser, sagen Sie nicht, ich hätte viel Phantasie, fahren sie hin, es ist überwältigend.

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