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Volker, Vryburg und Vanillekeks

Volker, Vryburg und Vanillekeks

Sonntag, Minus drei Grad, Wind. Aber Volker vom DAV Sektion Bochum hatte nicht nur eine Wanderrunde ausgetüftelt, sondern auch blauen Himmel bestellt. 15 Wanderfreudige waren angemeldet, da gab es kein Zögern. Zum Treffpunkt zu radeln war mir zu kalt, also rannte ich die vier Kilometer (meine Beine erschienen mir zuverlässiger als die Straßenbahn). Volker berichtete dem bunten Wandervölkchen selbstkritisch, er habe in der Einladung den falschen Textbaustein verwendet, die Strecke wäre ein bisschen anders. Aber das interessierte schon niemanden mehr:

Wir waren draußen, wir waren zusammen, wir hatten zu erzählen. Los ging es.

Volker hatte geschickt Seiten- und Trassenwege kombiniert, so dass sich die Ausrufe „Das kenne ich gar nicht“ und „Ach, hier sind wir!“ immer wieder abwechselten.

Ich liebe es, neue Wege in bekannten Ecken zu entdecken. Und was ich noch spannender finde, ist, wenn Volker die Gegend aus der Sicht seiner Kindheit und Jugend beschreibt. Da sind plötzlich Häuser verschwunden, Kohleflöze greifbar und nie gebaute Autobahnen oder dunkle Köttelbecken verströmen ihren Duft.

Mit Blick auf die Ruhr pausierten wir schließlich am Ehrenmal. Es ist zur Zeit des Nationalsozialismus erbaut, soll aber laut Wikipedia an die Mühen der Republikgründung erinnern.

Das erschließt sich dem entspannten Wanderer allerdings weniger, wohl aber die phantastische Aussicht auf die Ruhr und der Genuss der köstlichen Volker-Vanillekipferl. Friedlicher Plauderkreis statt Heldenkämpfe.

Mit Blick auf den Rittersitz Burg Horst, stemmten wir uns anschließend ritterlich gegen den kalten Wind. Und plötzlich rief Volker „Hier!“ und wies auf einen matschigen Pfad, den wir sofort unter die Fußsohlen nahmen. Wir hatten die Vryburg erreicht eine mittelalterliche Ringwallanlage. Wer keinen Volker dabei hat, wird das Denkmal kaum entdecken.. Nicht nur, dass es kein Schild gibt, auch „Anlage“ scheint als Begriff für den kleinen Graben zwischen Hügeln übertrieben. Wobei sich auch Park- oder Geldanlagen recht kurzfristig verflüchtigen können, was will man da seit dem Mittelalter schon erwarten.

Mit etwas Phantasie entwickelt sich dort jedenfalls eine erstaunliche Gegend mit Wällen, Burgen, Rittern und Militär aus dem 9. Jahrhundert. Heute alles Wald und Feld. Das Hörster Holz ist seit 2020 sogar Naturschutzgebiet. Falke und Fischreiher beäugten uns kritisch, aber weil wir lieber Vanillekipferl als Mäuse essen, sind wir da keine Konkurrenz. Am Schluss war das Ziel für die geneigte Wandergruppe ein Café, aber ich war noch von den Keksen gedopt und rannte die Statt-Straßenbahn-Strecke flux nach Hause.

26 km und 400 Höhenmeter auf der Uhr, viele schöne Plaudermomente und der blaue Himmel? War weg als ich beim Tee auf der Couch saß. Volker hatte wohl das Tourenbuch zugeklappt.

VIGLi, 15.2.2026