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Drei Mal Zwei

Drei Mal Zwei

Ein neuer Lauf an der schönen Ruhr, da ließen sich die Ruhris nicht lange bitten, sondern fluteten sogleich die Anmeldungen. Ausgebucht, vermeldeten die Veranstalter glücklich. Der Start war von Bochum aus per Rad gut zu erreichen. So in etwa zwei Stunden veranschlagte ich für die 30 km inclusive Pausen, dann zwei Stunden laufen und zwei Stunden zurück, dazwischen ein Eis in der Sonne, das war doch ein guter Drei-Mal-Zwei-Sonntagsplan.

Es kam dann aber doch ein bisschen anders. In der Nacht hatte es fleißig geregnet und als ich morgens um halb acht die Königsallee entlang strampelte, war weder von munteren Ruhris noch der Sonne etwas zu sehen. Gewitter waren gemeldet und ich hatte meine Satteltasche mehrmals umgepackt, weil mehrere trockene Shirts doch sinnvoll schienen. Es folgte ein Streit mit meinem Navigationsgerät, das mich immerzu davon überzeugen wollte, dass ein paar bergige Straßen besser sind als der Ruhrtalradweg. Ich setzte mich dann aber doch durch und die Sonne auch, eine schöne Hinfahrt war das.

Als ich mich der Seestraße in Hagen näherte, hatte mein einsames Radeln ein Ende, die läuferwillige Menschheit und ihre Fans schwappten in Tausenderzahl über die bepfützten Wege. Es gab große Parkplätze, aber eher keine Stellplätze für Fahrräder. Schließlich kettete ich mein Zweirad an einen alten, etwas verbeulten Fahrradständer, der passte zu uns. Vor den Toiletten befand sich ein undefinierbares Knäuel aus Sanitäranwärtern, so dass ich lieber noch einen Kilometer zurück in den Wald rannte, um ein Bäumchen zu bewässern.

Dann ging es auch schon los. Im Startblock C traf ich auf einen Günni, das heißt wir nehmen beide am samstäglichen Günni-Lauftreff teil. Allerdings bisher noch nie gemeinsam, Fotos sei dank haben wir uns trotzdem erkannt. Das war es dann aber auch schon mit den Bekannten.. Obwohl sich die Laufverrückten doch angeblich alle kennen, sah ich unter 1500 Ruhrsee-Umrundern doch überwiegend neue Gesichter. Schließlich knallte in weiter Ferne der Startschuss, Konfetti flog in die Luft, es roch verbrannt und nichts passierte. Bis Bewegung in Startblock C kam, dauerte es eine Weile.

Danach verteilte sich die Läuferwelt aber schnell, ich hatte immer genug Platz um mich herum. Alleine war ich allerdings definitiv auch nicht. Die Strecke ist wunderschön, das Wetter spielte mit und ich fühlte mich in meinem Element. Im Wald sagte jemand „Hoffentlich kommen wir bald wieder auf Asphalt, die Wurzeln sind ja schrecklich.“ Und als wir mit weiter Sicht an goldenen Rapsfeldern entlang liefen, hörte ich jemanden klagen „Hoffentlich geht es bald wieder in den Wald, die Sonne ist ja viel zu heiß.“ So hatte jeder sein Päckchen zu tragen. Unterwegs wurden wir wunderbar mit Musik aufgeheitert und die Streckenposten schrien sich heiser in ihrem Bemühen, uns zu loben.

Nach 2:03:37 Std. sprang ich als 169. Von 506 Frauen über die Ziellinie, nahm die schöne Medaille entgegen und steckte anschließend wieder zwischen Menschen fest. Selbst um einen Becher Wasser zu bekommen, hätte ich mich in eine Schlange einreihen müssen. Das erschien mir angesichts aufziehender Wolken nicht sinnvoll. Ich plünderte also nur etwas von dem Inhalt meiner Satteltaschen, zog ein trockenes Shirt an und auf ging es wieder Richtung Bochum. Statt Picknickpause und Sonnenbad, kredenzte mir die Rückfahrt Gewitter, Regen und Hagelkörner. Also strampelte ich mit klammen Fingern gegen die Kälte an und visualisierte die heimische Badewanne. Für dieses Abenteuer musste ich nicht Mal etwas bezahlen.

Schließlich kam aber doch noch blauer Himmel heraus und kurz vor zu Hause gab es endlich ein Eis, das ziehe ich doch jedem Müsliriegel vor. Es lässt sich halt nur so schlecht in die Satteltaschen packen.

Nass, dreckig, glücklich. Der perfekte Sonntag!

VIGLi, 19.4.2026