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Oste-Radweg

Oste-Radweg

Hitze-, Reise-, Unwetterwarnung. Veranstaltungen wurden reihenweise abgesagt. Und wir so: „Schauen wir mal.“

Das hieß erst einmal ab Otterndorf mit der Bahn nach Tostedt zu fahren. Dort, nahe der Lüneburger Heide, entspringt sie nämlich: die Oste. Irgendwann zwischen meinen Literaturstipendien in Otterndorf, Stade und Soltau hatte ich mich in diesen Nebenfluss der Elbe verliebt. Die Atmosphäre hinter dem Deich, das friedliche Gewässer, die Fähren. Eine Region mit ganz eigenem Charme und ohne Touristenmassen. Als ich hörte, dass es einen Radweg entlang der 145 Kilometer zwischen Quelle und Mündung gibt, war das sofort mein Traumziel.

Mein Freund war nicht ganz so verträumt, kümmerte sich um den Track und ein schönes Hotel auf halber Strecke. Die Tour konnte beginnen!

35 Grad, aber wir hatten schließlich Fahrtwind. Der Anfang der Oste ist unscheinbar, ohne das zugehörige Schild hätten wir den leise plätschernden Ursprung womöglich verpasst. Idyllisch zwischen Bäumen gelegen, war dort die Hitze des Tages noch nicht spürbar. Aber natürlich wurde es wärmer und wärmer, bis zu 44 Grad zeigten die Temperaturaufzeichnungen später. Sommer, sagten wir uns und traten fleißig in die Pedale.

Der Oste-Radweg ist sehr abwechslungsreich, Schotter, Asphalt, Plattenwege, dann Wald und Feld. Die Sandwege konnte ich nicht radeln, aber wandern ist doch auch nett. Das

Café an der Etzer Mühle kam dann gerade zur rechten Zeit, ehe wir vertrockneten.

Schorle, Eis, Cola und das Leben war wieder gut. Nach etwa fünf Stunden hatten wir das ersehnte Ziel erreicht, den Vörder See. Unfassbar, dass ich hier zwei Wochen zuvor bei einem Duathlon, der eigentlich ein Triathlon sein sollte, am Start stand. Das Schwimmen war wegen der Kälte verboten worden. Wir erinnerten uns an die Regengüsse und standen doch nur im Wasser unserer Schweißausbrüche. Auch abends sank das Thermometer nicht unter 30 Grad und unser Abendspaziergang entwickelte sich zum Saunagang. Nach 80 Kilometer radeln reichte die Müdigkeit aber, um unter allen Bedingungen zu schlafen. Auch das Unwetter ging weitgehend unbemerkt an uns vorüber. Zum Abendessen gab es griechisch, der nächste Morgen begann mit Frühstücksbuffet, Urlaubsleben!

Ab Bremervörde war nicht mehr der Oste-Radweg sondern die Deutsche Fährstraße ausgeschildert. Das Logo ist jedes Mal ein Flussbogen, nur ein bisschen verschieden gezeichnet. Die Strecke führte wunderschön am Deich entlang, weite Felder, Störche, keine Menschenseele. Nur einen Fotografen sah ich am Wegesrand, der sich liebevoll Schafen und Malven zuwandte. Während ich noch dachte, das ist wirklich ein hübsches Motiv, erkannte ich ein bekanntes Gesicht und bremste abrupt. Auf den Bochumer Trassen, bin ich es gewöhnt .aber dass wir inmitten der grünen Weite einen unserer Lauffreunde treffen, das war genauso bezaubernd wie diese ganze Tour. Kurzes Schwätzchen, dann rollten wir weiter.

Weil wir auf der Fährstraße waren, wollten wir natürlich die Fähren nutzen, besonders schön fand ich die Prahmfähre in Gräpel, die tatsächlich von einem kräftigen Mann von einer zur anderen Seite gezogen wird. Freiluft-Fitnessstudio. In Brobergen wechselten wir wieder auf die andere Seite, die Oste war nun schon ein ordentlicher Fluss. In Hemmoor hätten wir gerne noch einmal mit der berühmten Schwebefähre übergesetzt, aber sie hatte wegen der Hitze den Betrieb eingestellt. Dabei war es im Vergleich zum Vortag nahezu kühl. Unsere Wasservorräte reichten deshalb noch bis Neuhaus, wo der Oste-Radweg offiziell endet. Wir gönnten uns noch einen Abstecher zur Wasserskianlage, ohne Ski, aber mit Getränk und Badepause. Das war die ideale Erfrischung vor der letzten Etappe zurück nach Otterndorf.

Die Bahnfahrt zurück nach Bochum warf dann Probleme auf, wegen des Unwetters war der Regionalverkehr zum Erliegen gekommen. Überhaupt waren die Nachrichtenseiten voll von Gewitterschäden hier und Htzekranken dort. Wir hatten das alles verpasst und waren einfach durch die weite Landschaft gestrampelt. Störche, eine Natter, Kiebitz, Bussard, Hasen, Enten. Das waren die Ereignisse. Ein wunderbares Wochenende im Schutz des Oste-Deichs.

VIGLi, 27. Juni 2026