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Ein schöner Sonntag

Ein schöner Sonntag

Bertlich bedeutet Buffet. Von Bratwurst über Brötchen bis zu Blaubeerkuchen ist für alles gesorgt. Auch Sonne haben die Bertlicher auf Vorrat angeschafft. Und dann die Laufstrecken: Von 850 Meter bis Marathon ist alles im Läuferbuffet dabei. Nicht etwa wie der Berlin Marathon einmal im Jahr, sondern tatsächlich drei Mal: Februar, September, November. Also, wer in Nordrhein-Westfalen läuft und noch nicht in Bertlich war, hat etwas verpasst. Aber eigentlich landet jeder Laufende irgendwann dort und deswegen trifft man auch immer Bekannte. Es ist so eine Art Lauffamilien-Treffpunkt. Für was trainierst du gerade, was hast du hinter dir, wie geht es mit der Verletzung, mal antesten, undsoweiter.

Diesmal hatte ich mich relativ spontan für die 30 km angemeldet, weil ein langer Lauf gemeinsam doch netter ist. Zudem war das Wetter perfekt, sonniger Herbst, so dass mir die Anreise mit dem Rad (24 km) über die wunderbaren Trassen unproblematisch erschien. Morgens war es allerdings doch noch sehr schattig. Dafür dann später so warm, dass ich mir den Inhalt der Wasserbecher genussvoll über den Kopf goss. Rechts und links Felder, wir waren dazwischen Bratlinge auf einem Asphalt-Grill.

Zudem hatten wir eine 10-km-Runde zu laufen, die sich auf seltsame Weise verwandelte. Beim ersten Mal war sie flach, beim zweiten Mal hügelig, beim dritten Mal: steile Berge. Dadurch war es sehr abwechslungsreich, auch weil die Helfer alle so nett waren, uns sorgsam um die richtigen Ecken schickten, Bananen parat hielten und das kühle Nass.

Auch Publikum gab es, nebst Rindern und Pferden, regelrechte Hot Spots, wo wir mit Musik, Nebel und Fackeln im wahrsten Sinne des Wortes angefeuert wurden. Gänsehaut pur. Bertlicholympia.

Als ich in die zweite Runde startete, hielt mir jemand ein Pappschild entgegen: Tap hier, bringt Glück! Ich tappte schwungvoll mit der rechten Hand und schon flog das Schild durch die Luft. Muss ein Glückssturm gewesen sein.

In der dritten Runde verabschiedete ich mich von allen Helfern und war auch froh, dass ich sie nicht nochmal sah, nett hin oder her.

Bei Kilometer 29 spielte Musik und mir war klar, dass eigentlich nichts mehr schief gehen konnte, prompt fing ich an zu heulen und bekam keine Luft mehr. Man ist eben erst im Ziel, wenn man im Ziel ist. Eine wunderbare Sportplatzrunde genoss ich den Zieleinlauf. Es ist doch immer wieder das Gefühl von einer Weltumrundung zurückzukehren, auch wenn die Welt diesmal nur Bertlich hieß.

Danach dann Kaffee und Kuchen mit Freunden und die Siegerehrung, die dort so liebevoll zelebriert wird. Pokal, Nudeln, Urkunden, Hände schütteln, weil ich mit 3 Stunden 13 Minuten die erste meiner Altersklasse war. Allerdings auch die einzige. Vielleicht denken die anderen sonntags könnten sie etwas besseres machen, als 30 km zu laufen. Das habe ich bei km 25 sogar ein klein wenig verstanden.

Frisch gestärkt pedalierte ich schließlich durch Bauern- und Trassenland zurück nach Bochum.

Als Triathletin hätte ich zum Schluss eigentlich noch eine Schwimmeinheit anhängen müssen. Ich beschränkte mich allerdings auf die Badewanne. Schaumschöner Tag!

VIGLi, 29.9.2026